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Die Fastenzeit - Passionszeit

Mit dem Aschermittwoch heißt es „carne vale!“ (Fleisch, leb wohl!). Es beginnt die 40tägige Fasten- bzw. Passionszeit, wobei die 6 Sonntage nicht mitgezählt werden.

40 ist die biblische Zahl der Vorbereitung: Vierzig Jahre zog das Volk Israel durch die Wüste, bis es in das gelobte Land einziehen durfte; 40 Tage fastete Jesus nach der Jordantaufe in der Wüste, bevor er sein öffentliches Wirken begann.

Nach katholischem Brauch wird den Gläubigen am Aschermittwoch ein Aschekreuz aufgelegt mit den Worten: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“ Wer es nicht ganz so drastisch haben will, kann auch die andere Form wählen: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“

 

Bildquelle: Christliches Brauchtum, hrsg. vom Erzb. Ordinariat München 2006

Asche und Kreuz: Neuanfang und Neuausrichtung

Asche aufs Haupt streuen ist ein archaisches Ritual der Buße und Umkehr, das bereits im Alten Testament bezeugt ist. Asche als mineralische Substanz, Ergebnis eines Verbrennungsprozesses, steht für Vergänglichkeit und zugleich Neuanfang. Wer sich Asche aufs Haupt streuen lässt, stellt sich der Frage: Wonach richte ich mein Leben aus? Welche Ziele verfolge ich? Was bleibt am Ende von meinen Taten?

Das Kreuz symbolisiert die Verbindung von oben und unten, rechts und links; Horizontale und Vertikale begegnen sich in einer Mitte. So ist auch jeder Mensch eingebettet in die Beziehung zu den Mitmenschen (horizontale Ebene); gleichzeitig steht er in vertikaler Beziehung zwischen oben (göttliche Welt) und unten (Erde als Lebensgrundlage). Die Fastenzeit lädt dazu ein, sich neu in diesem „Koordinatensystem“ auszurichten und Achtsamkeit zu entwickeln:

Bildquelle: www.taz.de

 
Aufzählung im horizontalen Sinn für den Mitmenschen, der meine Hilfe braucht, und das Zusammenleben in Gemeinschaft
Aufzählung im vertikalen Sinn für die Beziehung zum Schöpfer und den verantwortlichen Umgang mit unseren Lebensgrundlagen oder Ressourcen, der „Mutter Erde“.

Die Fesseln des Unrechts lösen und an Hungrige das Brot austeilen

Was Fasten im biblischen Sinn heißt, verdeutlicht eine Stelle aus dem Propheten Jesaja:
Das ist ein Fasten, wie ich es liebe:
die Fesseln des Unrechts zu lösen,
die Stricke des Jochs zu entfernen,
die Versklavten freizulassen,
jedes Joch zu zerbrechen,
an die Hungrigen dein Brot auszuteilen,
die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen,
wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden
und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.
Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte.
Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst,
auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest,
dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst,
dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.
Der Herr wird dich immer führen, auch im dürren Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder.
Du gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren Wasser niemals versiegt.

Bildquelle: juedischesmuseum.de

Jes 58, 6-11

Fasten: Unnötigen Ballast abwerfen, Lebensfreude gewinnen

Fasten als bewusster Verzicht auf bestimmte Speisen, aber auch auf andere Formen des Konsums, kann eine innere Unabhängigkeit schaffen, die für die geistige Dimension des Lebens offen macht; es kann helfen, Achtsamkeit für die Bedürfnisse des eigenen Körpers und für die Bedürfnisse der Mitmenschen und Mitwelt (Tiere, Pflanzen, Erde) zu entwickeln.

Fasten heißt auch, sich frei machen von unnötigem Ballast, Lebensfreude gewinnen. So ist auch das Wort aus der Bergpredigt (Mt 6, 16-18) zu verstehen:

Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht,
damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht;
und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Viele Möglichkeiten des Fastens

Aufzählung

Indem wir Kinder anleiten, auf kleine Triebbefriedigungen (Süßigkeiten, Computerspiele…) zu verzichten, kann ihre Willens- und Durchhaltekraft gestärkt werden.

Aufzählung

Auch Erwachsene sind erfinderisch: Autofasten, Fernsehfasten…

Aufzählung

Die großen kirchlichen Hilfswerke wie Misereor und Brot für die Welt rufen insbesondere in der Fastenzeit zu Spenden auf für Hilfsprojekte in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Aufzählung

Pfarreien, kirchliche Gruppen und Schulen entwickeln Spenden-Ideen durch Fastensuppen oder Solidaritätsessen, Solidaritätsmarsch bzw. -lauf und andere Aktionen zu Gunsten notleidender Mitmenschen.

Das „Hungertuch“ lenkt den Blick auf die Leiden der Menschen und das Leiden Jesu, auf die Solidarität Gottes mit den Armen. Darum beauftragt das Hilfswerk Misereor regelmäßig Künstler aus jeweils einem anderen Land mit der Gestaltung des Hungertuches. 

Vor allem aber dient die Fastenzeit bis Ostern zur Vorbereitung auf das große Mysterium von Tod und Auferstehung, das Christen alljährlich in der Liturgie von Karwoche und Ostern rituell mitvollziehen.

Biblische Geschichten zur Vorbereitung auf Ostern

In den biblischen Geschichten, die wir während der Fasten- und Passionszeit erzählen und gestalten, werden zahlreiche Grunderfahrungen thematisiert:

*       Auf Hilfe angewiesen sein: Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10, 25-37)  Praxistipp

*       Sehend werden für die Wunder des Lebens, der Natur: Die Heilung des blinden Bartimäus (Mk 10, 46-52)

*       Festfreude spüren, zusammen mit anderen jubeln: Jesus zieht in Jerusalem ein (Mk 11, 1-11)

*       In Gemeinschaft essen und trinken: Jesus feiert mit seinen Freunden ein letztes Mahl (Mk 14, 17-25)

*       Verraten und unschuldig verurteilt werden: Jesus wird gefangen genommen, von seinen besten Freunden verlassen und vor Gericht verurteilt (Mk 14, 26 bis 15, 15)

*       Anderen hilflos ausgeliefert sein; sterben und begraben werden: Jesus geht den schweren Weg des Kreuzes, stirbt am Kreuz und wird begraben (Mk 15, 20-47)

*       Erfahren, dass der Tod nicht das Ende ist: Ein Engel verkündet den Frauen am leeren Grab die Botschaft, dass Jesus auferstanden ist; Jesus erscheint zuerst Maria Magdalena und dann den anderen Aposteln (Mk 16).

Fasten im Islam

Das Fasten im Monat Ramadan gehört neben dem Gebet, der Pilgerfahrt nach Mekka und dem Almosen geben zu den Grundpflichten des Islam. Der Monat Ramadan ist allerdings nicht an eine bestimmte Jahreszeit gebunden, sondern da das islamische Mondjahr kürzer als das Sonnenjahr ist, verschiebt sich sein Beginn jedes Jahr um ca. 11 Tage nach vorne. Im Jahr 2012 beginnt der Ramadan am 20. Juli und endet mit dem 19. August.

Während dieser Zeit fasten Muslime, in der Regel ab der Pubertät, von Sonnenaufgang bis Untergang. Sobald man einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden kann, darf man keinen Krümel Brot essen, keinen Tropfen Wasser trinken. Verboten sind auch Rauchen, sexueller Verkehr, Fluchen und Streiten.

Das Fasten verbindet Muslime auf der ganzen Welt. Es stärkt die Gemeinschaft, ist Anlass zur Versöhnung und zur Sorge für die Armen.

Die Nacht auf den 27. Tag gilt als heiligste Nacht im ganzen Jahr und wird als Nacht der Bestimmung (Laylat al-qadr) gefeiert, da Allah in dieser Nacht dem Propheten Mohammed die erste Sure des Korans offenbarte.

Die Fastenzeit endet mit dem Fest des Fastenbrechens (Id al-fitr), türkisch Scheker bayram oder Ramazan Bayrami, d.h. Zuckerfest.

A. Gruber 4.2012

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