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Die Heilung des blinden Bartimäus Mk 10,46-52

Theologische Vorüberlegungen

 In den Heilungserzählungen des NT ist oft von Menschen die Rede, die taub, blind, gelähmt, aussätzig sind. Dieser Befund bezieht sich zunächst auf eine körperliche Erkrankung bzw. Behinderung, im übertragenen Sinn aber auch auf die geistig-seelische Verfasstheit des jeweiligen Menschen. Man kann – bei sehenden Augen – blind sein für manche Tatsachen; man kann physisch gesund und doch wie gelähmt sein und sicher auch taub für manches, was man einfach nicht hören will.

In dieser Erzählung ist Jesus, gefolgt von einer großen Schar, auf dem Weg nach Jerusalem. Das Pascha-Fest ist nahe. Bald wird Jesus in Jerusalem einziehen unter dem Jubel der Menschenmenge, die ihn als den nahen König begrüßt. Sehen die Menschen aber seine wahre Bedeutung?

Draußen vor dem Stadttor Jerichos sitzt ein blinder Bettler, Bartimäus, d.h. Sohn des Timäus. Einen eigenen, individuellen Namen hat er nicht. Er ist durch sein Gebrechen von der sozialen und religiösen Gemeinschaft ausgeschlossen, nach jüdischer Auffassung auch vom Heil. Ein körperliches Defizit erweckt immer den Verdacht, dass es sich hier um eine Strafe Gottes handelt. Wenigstens hat er Anspruch auf Almosen, aber das Leben auf der viel begangenen Straße zwischen der uralten Handelsstadt Jericho und dem religiösen Zentrum Jerusalem pulsiert an ihm vorbei.

Bartimäus hört die Menschenmenge nahen – Blinde haben ein feines Gehör – und „sieht“ seine Chance: Als er erfährt, dass Jesus vorbeikommt, schreit er los. Er muss eine Ahnung haben, was es mit diesem Jesus auf sich hat. „Sohn Davids“ ist der Titel für den von den Juden sehnlichst erwarteten Messias, den Heiland, der, so sagte es schon der Prophet Jesaja voraus, Blinde sehend und Taube hörend macht (Jes 29,18). Bartimäus knüpft also ganz konkrete Erwartungen für sich an den Messias: Das Heil, das der Gesandte Gottes bringen wird, soll jetzt schon Realität werden.

Aus der Not heraus, mit dem Mut des Verzweifelten, setzt sich Bartimäus gegen die groben Passanten und Mitläufer durch und überwindet so alle Barrieren, die ihm die „Sehenden“ setzen wollen. Jesus hört sein Rufen, bleibt stehen und lässt ihn holen. Dass Bartimäus seinen Bettlermantel abwirft, bevor er zu Jesus hintapst, mag Symbol für seine „Häutung“ sein, für das alte Leben, das er zurücklässt wie ein Schmetterling den Kokon.

Die Heilung selbst ist nicht blanke Zauberei, Magie eines Wunderheilers. Jesus weckt vielmehr die Kräfte, die im Inneren des Kranken ruhen. Er fragt ihn ja: Was willst du? Ohne das Vertrauen, den Glauben kann Jesus nichts bewirken. Aber denen, die sich vertrauensvoll an ihn wenden, gibt er die Ermutigung zum Aufbruch; er hilft ihnen, neuen Sinn im Leben zu sehen („...er konnte wieder etwas erblicken“) und neue Wege zu gehen („...und er folgte ihm auf dem Weg“). Diese Nachfolge sieht für jeden Menschen anders aus, sie ist ein Reifeprozess, der uns immer tiefer das Geheimnis des Lebens sehen, erkennen lässt.

Von Bartimäus erfahren wir in der Bibel weiter nichts mehr. Seine Geschichte findet in allen jenen eine Fortsetzung, die sehend geworden sind für die Schönheit der Schöpfung,  für die Not der Mitmenschen, für den Sinn ...

Text: Andreas Gruber

Bilder von Kees de Kort, aus der Kinderbibel

 

Religionspädagogischen Angebot: „Der blinde Bartimäus“

von Teresa Wenninger und Birgit Obermeier 12.2005

 

Zielgruppe: Kinder der 3.Klasse, Erstkommunionvorbereitung  

Methodische und Inhaltliche Schritte:

1. Eröffnungs- und Erschließungsphase:

1.1. Wir versammeln uns in der Mitte und bilden einen  Kreis

 Die Kinder versammeln sich im Kreis. Wir schauen in unserem Kreis herum, sehen, wer da ist. Wenn wir unsere Augen schließen, können wir dann noch jeden sehen? Wir schließen die Augen und warten, bis wir mit Namen gerufen werden. Teresa oder Birgit ruft ein Kind mit Namen, das dann ein anderes ruft.

 

 

 

  Wenn es angezeigt ist, kann die Versammlung der Gruppe schon von dem geprägt werden, wovon später in der Geschichte erzählt wird: vom Sehen, vom richtigen, geheilten Sehen, das zwar unausgesprochen, doch sicherlich im Herzen beginnt.

2. Das Tor öffnet uns für die Begegnung in der Mitte

Mit braunen Tüchern dürfen Kinder ein Tor in die Mitte legen.

Wir schauen das Tor an. (Für was brauchen wir ein Tor? (z. B. dass wir in die Stadt kommen usw.)

 Wir spielen ein Tor, z. B. zu zweit. Zwei stehen auf und halten die Hände zu einem Tor. Das Tor ist offen. Die andern tun dasselbe.

 Die Kinder dürfen mit Bausteinen eine Stadtmauer legen.

 

 

 

 Die Erzählung kann am Stadttor spielen, doch für die Geschichte ist das Tor anders wichtig: Bin ich offen? Das Tor wird als „Zeichen“ der eigenen Offenheit erfahren und „vollzogen“. Ich selbst habe Tore und kann mich öffnen, um die Welt einzulassen.

 

3. Begegnungsphase

3.1. Wir begegnen dem Licht in der Mitte

 Die Jesuskerze wird entzündet. Teresa oder Birgit behält sie noch bei sich.

 Die Kinder schließen die Augen. Sie warten so lange, bis es die Helligkeit einer Kerze spürt. Teresa oder Birgit trägt die Kerze – die Flamme mit der Hand verdeckt – vor die Augen des Kindes. Wenn sie die Hand wegnimmt, wird es dem Kind sehr hell vor den Augen. Es öffnet seine Augen. Jedes Kind darf so das Licht einmal erfahren und schauen.

 

 

 

 Die Augen sind Tore für das Licht, für die Welt im Licht. Ich werde sensibel für das Licht. Was in mich eintritt, kann ich zuerst nur erwarten. Ich will das Licht als Gabe erwarten.

Das Licht kommt zu mir. Dabei wird auch wieder die Grundhaltung angesprochen: das Heil kann ich nur erwarten: es ist Gabe.

3.3. Jesus schenkt dem Blinden das Licht (nach Mk 10, 46-52)

 Wir haben schon davon gehört:
Jesus zieht über die Straße und durch die Dörfer im Land Israel.
Wohin er kommt, öffnen die Menschen die Türen und Tore.
 
Lied: „Da ist einer unterwegs.“
 
„Da kommt Jesus!“, sagen sie, „Jesus aus Nazareth.
Er heilt die Kranken,
er bringt Licht in unser Leben.
Er ist ein großer Prophet.“
 
Die Jesuskerze wird von einem Kind um die Stadtmauer getragen und ins Tor gestellt.  Die Bartimäuskerze ist noch aus.
 
Einmal kommt Jesus nach Jericho. Viele Menschen begleiten ihn. Sie gehen durch die Stadt. Da sitzt ein Man am Weg – Bartimäus heißt er.
Er ist blind.
 
Kinder dürfen die Augen schließen, wie Bartimäus.
 
Er sieht nicht die Sonnen, nicht die Blumen, nicht die Menschen.
Ganz dunkel ist es in ihm.
Er hört nur die Schritte und Stimmen.
Seine Hände sind so – wie eine Schale.
 
Alle machen die Geste: Schale.
 
Die Hände sagen: Gebt mir zu essen!
 
Viele Menschen gehen vorbei und achten nicht auf ihn.
Bartimäus ist oft sehr allein – einsam.
So mag es auch in seinem Herzen dunkel sein.
 
Doch an diesem Tag hört er viele Menschen vorbeikommen.
Die Leute sagen: „Jesus geht durch die Stadt.“
Da beginnt Bartimäus zu hoffen.
Jesus von Nazareth, er wird mir helfen!
 
Bartimäus wird still. Er wird ganz Ohr.
Wann wird Jesus nahe sein, da sein bei ihm?
 
Da ruft er laut:
 
„JESUS; SOHN DAVIDS; ERBARME DICH MEINER!“
 
Alle wiederholen: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“
 
Viele werden ärgerlich und befehlen ihm: „Schweig!“
Er aber schreit noch viel lauter:
„Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“
 
Alle wiederholen: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“
 
 
Jesus bleibt stehen und sagt zu den Leuten:
„Ruft ihn herbei!“
Sie rufen den Blinden und sagen:
„hab nur Mut, steh auf, er ruft dich!“
Da wirft Bartimäus seinen Mantel weg, springt auf und läuft auf Jesus zu.
Und Jesus fragt ihn: „Was soll ich dir tun?“ Der Blinde antwortet: „Herr, ich möchte wieder sehen.“ Da sagt Jesus zu ihm: „Geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“
Im selben Moment kann er wieder sehen.
 
 
In seinem Herzen sagt Bartimäus:
Jesus, du bist das Licht.
Jesus, du hast meine Augen und mein Herz hell gemacht.
Und er folgt Jesus auf seinem Weg.
 
Die Leute aber, die es sehen, staunen und preisen Gott.
 
Lied: „Da ist einer unterwegs!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erst in der Erzählung wird die Dunkelheit des Bartimäus besonders angesprochen. Hier kann der Hörer sich mit Bartimäus identifizieren. Im Rufen mit Bartimäus können wir teilnehmen an der großen, aufwachenden Hoffnung des Blinden auf Jesus.

 

 

 

 

 

 Die Kinder dürfen die Augen wieder öffnen, da Bartimäus wieder sehen kann. Eine Kerze für Bartimäus wird an der Jesuskerze entzündet.

 

4. Gestaltungsphase: Wir sehen mir Bartimäus die Welt

 Die Kinder dürfen um den Torbogen, um die Lichter oder um die Stadtmauer etwas von dem gestalten, was Bartimäus wieder alles sieht.

 

 

 

5. Deutung der Erfahrung: Gebet

Bartimäus kann wieder sehen. Er dankt Jesus.

Mit ihm wollen auch wir Jesus danken: „Jesus, wir danken dir.“

Wir danken Jesus für die Sonne, die Blumen ... (Kinder nennen, was sie sehen, wofür sie danken.)

 

 

 

 

 Wenn die Kinder mit eigenen Rufen mitbeten, werden sie auf diese Art intensiver in die Geschichte eintreten können.

 

 Literatur:  Heute noch muss ich bei dir zu Gast sein! (Kommunionkurs für Kinder und Gemeinde)

Weitere Literatur:
RPP 2005/1, S. 52-59
Die Heilung des blinden Bartimaios Mk 10, 46-52
Eine Mutmachgeschichte: Vorüberlegungen zum Text,
Legearbeit einer Stadt, Erzählbeispiel
 

 

A. Gruber 9.2011